Positionsbestimmung

Forderungen der Sozialpädagogische Fanprojekte in der AWO

Bereits 2010 deutete sich eine Verschlechterung der gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Arbeit der Fanprojekte an. Insbesondere der Umgang mit der Verwendung von Pyrotechnik in den Stadien und deren undifferenzierter Gleichsetzung mit Gewalt, hatte eine fortschreitende und pauschalisierende Kriminalisierung von jugendlichen Fußballanhängern zur Folge. Bezeichnenderweise wird in der Berichterstattung die fußballbezogene Subkultur der „Ultras“ teilweise synonym mit dem Begriff „Hooligan“ verwandt. Diese Entwicklung ermuntert Politik und Befürworter repressiver Maßnahmen öffentlichkeitswirksam darzustellen, dass sie der vermeintlichen innenpolitischen Bedrohung Herr werden können.

Aufgrund ihres Selbstverständnisses und ihrer Erfahrungen als Jugendhilfeträgerin in der Fanprojektarbeit leitet die Arbeiterwohlfahrt folgende Forderungen an die verantwortlichen Akteure in Politik und Gesellschaft ab:

1. Die Arbeiterwohlfahrt fordert die Bundesländer und die Kommunen zu einer konsequenten und nachhaltigen Finanzierung der Fanprojekte gemäß dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) auf.

Die Bundesländer und Kommunen müssen die von ihnen erwarteten finanziellen Mittel zuverlässig zur Verfügung stellen. Die stets verlässliche Finanzierung durch den Deutschen Fußballbund (DFB) bzw. die Deutsche Fußballliga (DFL) kann nur durch das zuverlässige Einhalten der Finanzierungszusagen
durch Land und Kommune eine nachhaltige Fanprojektarbeit sichern. Nur eine auskömmliche Finanzierung ist Voraussetzung für die Gewinnung geeigneten Fachpersonals, deren tarifgerechter und den Arbeitsbelastungen angemessener Entlohnung sowie verlässlicher Beschäftigungsverhältnisse, die erst die Umsetzung langfristiger Konzepte ermöglichen.

2. Die Arbeiterwohlfahrt fordert die Jugend- und Sozialministerkonferenz auf, sich dem Themenfeld der Fanprojektarbeit intensiver zuzuwenden und sie nicht der alleinigen Deutungshoheit der Innen- und Sportministerkonferenz zu überlassen.

Sozialpädagogische Fanprojekte sind Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe und insbesondere Einrichtungen der Jugendarbeit (§ 11 SGB VIII) und der Jugendsozialarbeit (§ 13 SGB VIII). Diese sollen junge Fußballfans in ihrem Alltag begleiten und u.a. dafür sorgen, dass ihre berechtigten Interessen gewahrt werden. Die Arbeit von Fanprojekten orientiert sich in erster Linie an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe und ist kein Bestandteil der Sicherheitsarchitektur. Um dies zu verdeutlichen und einer Instrumentalisierung durch die Sicherheits- und Ordnungspolitik vorzubeugen, ist es notwendig, die (jugend-)politische Zuständigkeit der Jugend- und Sozialministerkonferenz zu betonen und deren aktives Handeln einzufordern.

3. Die Arbeiterwohlfahrt fordert die Medien zu einer differenzierten Betrachtung der fußballbezogenen jugendlichen Fankultur auf – sie unterstützt diese Forderung durch eigene Positionen, Expertisen und gezielte Medienarbeit.

Eine differenzierte Berichterstattung über junge Fußballfans und den oftmals mit ihnen in Verbindung gebrachten negativen Begleiterscheinungen trägt zur Versachlichung und somit zur Lösung von Konflikten und Spannungen im Fußballkontext bei. Krisen und Konflikte sind in der Regel auf komplexe Ursachen und Wirkungsmechanismen zurückzuführen, die in den medialen Darstellungen Erwähnung finden müssen. Eine differenzierte und kritische Berichterstattung kann darüber hinaus bewirken, bestehende Vorurteile gegenüber Fußballfans abzubauen und intern förderliche Arbeitsprinzipien zu stärken.

Die Arbeiterwohlfahrt wird hierzu ihren Beitrag leisten indem sie sich durch Publikationen, Expertisen, Positionspapiere und gezielter Öffentlichkeitsarbeit an dieser Diskussion beteiligt.