Erlebnisort Stadion

Die Vielfalt des Miteinanders im Gegeneinander

Jörg Rodenbüsch

Zuschauerinnen und Zuschauer strömen in die Stadien, mehr denn je. Die jährlich herausgegebenen Statistiken der Deutschen Fußballliga sind dafür ein imposanter Beleg. Massen finden sich anlässlich der 90 Minuten in Stadien zusammen. Massen tummeln sich während der Weltmeisterschaft auf öffentlichen Plätzen, um dem Erlebnis Fußball zu frönen. Massen „folgen“ ihrem Club Wochenende für Wochenende quer durch die Republik. Im Mittelpunkt steht das positive Erlebnis, wie auch immer ein positives Erlebnis individuell definiert wird. Da passt Gewalt als Phänomen nicht hinein. Gewalt alleine die Verwendung dieses Begriffes hat eine starke Ausstrahlung. Haben wir ein Gewaltproblem in unserer Gesellschaft? Haben wir ein Gewaltproblem in den Fußballstadien? In Bezug auf das Fußballstadion bestreite ich dies und will es im Verlauf dieses Artikels präzisieren. Gleichwohl kann man Gewalt nicht negieren, denn das subjektive Empfinden von Gewalt oder von Bedrohung ist vorhanden.

Der gesellschaftliche Umgang mit subtilen Empfindungen von Bedrohung, Gefahr und Gewalt ist über Jahrhunderte stets ähnlich. Der Ruf nach mehr Sicherheit, nach Repression ist der gängige Reflex. Dies kann man bedauern, sich womöglich anders wünschen, jedoch ist damit umzugehen. Idealerweise in einer konstruktiven Art und Weise.

Im Mittelpunkt dieses Artikels steht die Frage nach den Bedingungen und Anforderungen sozialpädagogischer Fanprojektarbeit und damit auch nach den Anforderungen für die daran beteiligten Institutionen und Trägerverantwortlichen. Dazu werde ich zunächst eine kurze Skizze von verschiedenen Zuschauergruppierungen geben. In diesem komplexen Spannungsfeld wirken, so wird anschließend ersichtlich, Fanprojekte; dennoch bedienen sie, gemäß gesellschaftlichem Auftrag, lediglich einen Teilaspekt, nämlich den der jugendbezogenen Fansozialarbeit im Alter von 14 bis 27 Jahren. Zum Schluss skizziere ich ein paar Überlegungen zum Miteinander und Zusammenwirken in Fußballstadien.